Donnerstag, 26. Januar 2012 - 11:25 Uhr
28

Die traurige Geschichte begann vor etwa 35 Jahren. Der Patient, nennen wir ihn Egon, fuhr damals noch zur See und bekam Rückenschmerzen. Diese fanden in seinem rauhen Umfeld keine Beachtung. Die Schmerzen wurden schlimmer, schliesslich kam es doch zur ärztlichen Behandlung. Bei der wurde, wie leider so oft, im hochakuten Stadium mit Schmerzmitteln geknausert. Egon konnte seine schwere Arbeit zuerst nur noch mit Mühe, dann gar nicht mehr ausüben. Die Ärzte wurden rat- und hilfloser und tun dann immer das gleiche: Sie operieren. Die Operation misslang, die zweite ebenfalls, die dritte noch mehr. Egon verlor seine geliebte Arbeit auf dem Wasser. Mit Mühe und Not eine Umschulung auf Buschauffeur, eine Arbeit, die sich auch als wenig geeignet erwies. Immer wieder Arbeitsausfälle und – Operationen. Ein klares Behandlungskonzept haben wir bisher noch nicht eruieren können. Schliesslich konnte Egon auch nicht mehr Busfahren. Er fand eine Gnadenbrot-Anstellung in der Grosschemie, die ihn auch nicht wirklich glücklich machte. Daher (sehr) frühzeitige Frühpensionierung.

Vor wenigen Tagen läuft der Patient mit einer Verordnung für mich von einer Uniklinik ein. In solchen Fällen könne manchmal der Caimi noch helfen... Wo steht Egon heute? Eine Bilanz des Grauens, welche schon fast an Experimente vergangener schwarzer Tage erinnern lässt:

Mittlerweile wurde er 28 (achtundzwanzig !!) Mal am Rücken operiert, alleine in den letzten sechs Jahren 17 Mal. (Nach drei erfolglosen Rücken-OPs spricht man von ‚failed back surgery’ – missratene Rücken-OP. Was sind dann 28? Ich wage es mal schwerste Körperverletzung zu nennen.) Er hat elf verschiedene Medikamente, die er jeden Tag einnehmen muss, davon vier verschiedene Opiate. Mit 4 Tabletten Schlafmittel (2 Dormicum, 2 Seresta) kann er 4-5 Stunden schlafen. Seine Gehstrecke beträgt noch maximal 250 Meter. Auf den Röntgenbilder seiner Wirbelsäule, die er mir auf seinem iPhone zeigt, hat es, ich übertreibe nicht, mehr Eisen als Knochen.

Die Untersuchung ist gut machbar, der Patient wirkt trotz dieses Alptraums einer „Rückenkarriere“ aufgestellt und sympathisch. Können wir ihm helfen? Die Zukunft wird es weisen, für uns eine der grössten Herausforderungen in den bald zwanzig Jahren dieser Praxis.

Da kommt mir die SPIEGEL-Rückentitelstory vom Herbst 2011 in den Sinn: Zunahme der schweren Rückenoperationen in den letzten 5 Jahren um 220%. Im Rücken-OP-Bereich bewegt sich manchmal viel – ausser dem gesunden Menschenverstand.

© Dr. med. Marco Caimi

Mittwoch, 18. Januar 2012 - 10:42 Uhr
AUFREGUNG

Die Presse („SPIEGEL“, 20 Minuten, BaZ mobile) berichtet wie alle Jahre wieder über die Schädlichkeit der Vitamine. Das Gegenteil ist längst erwiesen (mit einer Einschränkung nach Paracelsus: „Alles ist Gift, nichts ist Gift, die Dosis machts!“), aber es darf nicht sein, was nicht sein soll. Ich verzichte darauf einzugehen, wer solche Kampagnen steuern könnte...

Vielmehr frage ich mich, warum denn diese Aufregung? Ferner: Wie kann man behaupten, dass alle oder niemand nebst der täglichen Ernährung zusätzlich Vitamine braucht? Noch sind wir nicht geklont (und beim Schaf Dolly hat dies auch nicht wirklich gut funktioniert...) sondern Individuen. Deshalb gilt es auch immer, die individuelle Situation zu berücksichtigen und es sind folgende Fragen zu stellen:

Wie ernährt sich jemand/was hat er für Möglichkeiten? (Jemand im Aussendienst ist da eingeschränkter, als jemand der ein Homeoffice hat und neben einem (seriösen) Biobauer wohnt...)

Ist der Mensch gerade gesund, akut oder gar chronisch krank?

Befindet er sich ein einer belastenden Lebenssituation (Tod einer nahestehenden Person, Entlassung, Trennung/Scheidung, Wohnortwechsel gegen den eigenen Willen etc., also Eu- versus Distress)?

Nimmt er regelmässig Medikamente ein (auch die Pille)?

Ist er Raucher?

Ist er toxischen Produkten/Dämpfen/ionisierender Strahlung ausgesetzt?

Hat er eine hohe körperliche Aktivität?

Hat er eine Schwächung des Immunsystems (HIV+ z.B)?

Hinzu kommt, dass dank des labortechnischen Fortschrittes heute zu relativ günstigen Konditionen gemessen werden kann, ob jemand einen Mangel an Mikronährstoffen (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe) hat oder nicht. Niemand fährt zur Zapfsäule, wenn der Tank voll oder ¾ voll ist. Andersherum fährt kein Auto mehr mit leerem Tank.

Man kann sogar messen, wie gross der individuelle Befall mit den Gegenspielern der Mikronährstoffe, den freien Radikalen ist. Dies an der Zellwand und sogar auf Ebene Zellkern, also im intimen Bereich der Zelle, dort, wo unsere genetische Information sitzt. Mit einer einfachen Blutentnahme so viele Informationen – und gewisse Kassen bezahlen dies sogar aus der Zusatzversicherung!

Fazit: Zuerst messen, dann schlucken. Oder ablehnen. Vor die Therapie haben die Götter bekanntlich die Diagnose gesetzt!

© Dr. med. Marco Caimi, www.aequirehab.ch, 0041 61 225 92 55

Dienstag, 17. Januar 2012 - 07:50 Uhr
NEGATIVE PRESSEBERICHTE ZU VITAMINPRÄPARATEN

Stellungnahme der Firma Burgerstein:

In jüngster Zeit sind in verschiedenen Medien (v.a. Zeitungen) negativ behaftete und verallgemeinernde Beiträge zu Vitaminen und Vitaminpräparaten publiziert worden.
Derartige Berichte können bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu Verunsicherung führen, da ein medizinischer Laie weder die Möglichkeit hat, das Original einer wissenschaftlichen Studie einzusehen, noch das Fachwissen besitzt, diese objektiv zu beurteilen.
Negativberichte sind generell medienwirksamer als positive Aussagen. Tatsache ist: Den negativen Studien steht eine überaus grosse Anzahl an qualitativ hochstehenden Mikronährstoff-Studien mit positiven Ergebnissen gegenüber. Es ist bedauerlich, dass diese nur einem kleinen Kreis interessierter Fachpersonen vorenthalten bleiben und bei den Konsumenten durch die einseitige Berichterstattung Ängste geschürt werden, die ihnen den Zugang zu einer natürlichen Therapiemethode verwehren. Wir von Burgerstein betrachten es als unsere Kernaufgabe, die laufend publizierten wissenschaftlichen Studien genau zu prüfen und die Erkenntnisse in unsere Produkte einfliessen zu lassen. Selbstverständlich analysieren wir die Studien mit negativen Resultaten besonders genau. Es ist unser oberstes Credo, unseren Kunden nur wirksame und ungefährliche Produkte zur Verfügung zu stellen. Auf diesem Qualitätsstandard bauen wir seit 30Jahren.
Bedauerlicherweise beziehen sich die Medienbeiträge häufig auf Einzelstudien, welche nur eine beschränkte Aussagekraft für eine allgemeine Nutzen-/Risikoabwägung von Mikronährstoffen besitzen.
Folgende Faktoren können die Aussagekraft von Studien verfälschen:
Wenn in einer Studie nicht die natürliche, in der Nahrung vorkommende Form eines Vitamins, sondern eine davon abweichende, synthetische Form, eingesetzt wird, ist das Resultat nur sehr beschränkt aussagekräftig (z.B. synthetisches Vitamin E, dl- alpha-Tocopherol, besitzt bezüglich Wirkungen und Nebenwirkungen nicht die gleichen Eigenschaften wie natürliches Vitamin E).
Bei sogenannten Meta-Analysen, welche eine grosse Anzahl Studien mit demselben Studienziel zusammenfassen und vergleichen, werden oft völlig unterschiedliche Dosierungen und Untersuchungszeiträume miteinander verglichen

Beispiel: Vitamin C zur Vorbeugung von Infekten. In den Studien wurden Vitamin C-Dosierungen zwischen 100 – 2000 mg / Tag (Faktor 20!) und Anwendungs-Zeiträume zwischen 1 Woche und 1 Jahr (Faktor 50!) für dieselbe statistische Auswertung verwendet. Bei solchen methodischen Fehlern würden sich auch für die Anwendung von Schmerzmitteln bei Kopfschmerzen kaum signifikante Wirksamkeits-Belege ergeben!
Resultate von Studien an Risikogruppen (wie beispielsweise an Rauchern oder stark übergewichtigen Menschen) sind nicht auf die Allgemeinheit übertragbar.
In einigen der Studien wurden Einnahmemengen und Effekte lediglich durch Befragung der Studienteilnehmer ermittelt. Solche Werte beruhen auf subjektiven Beobachtungen und sind entsprechend mit Fehlern und Unsicherheiten verbunden, weil sie vom Gedächtnis der Teilnehmer und der Qualität der Fragen abhängen. Es wird beispielsweise nach der Einnahme von Supplementen gefragt. Dabei wird aber nicht differenziert, welche Qualität die in den verschiedenen Präparaten enthaltenen Nährstoffe haben und in welcher Dosierung sie enthalten sind.
Bei Studien, welche sich über einen langen Zeitraum erstrecken, können zudem viele weitere für das Ergebnis relevante Einflüsse (Krankheiten, Einnahme von
Medikamenten, besondere Belastungen, Lebensstil, Einnahmezuverlässigkeit) nicht
berücksichtigt werden. Die Resultate sind entsprechend ungenau. Weiter fehlt oft die Bestimmung des Versorgungsstatus der Studienteilnehmer vor der
Verabreichung der Mikronährstoffe. Bei einem gut versorgten Organismus ist eine zusätzliche Verabreichung eines Mikronährstoffes nicht zwingend mit positiven Effekten verbunden. Ein gutes Beispiel sind Selen-Studien in den USA. Die Böden in den USA sind im Unterschied zu Alpenländern oft sehr selenreich. Dies ergibt eine völlig andere Ausgangslage für Studien, da die Selen-Blutwerte von Amerikanern im Durchschnitt viel höher sind und Selen-Mängel weniger häufig vorkommen.
Unberücksichtigt bleibt bei Studien ausserdem oft die Tatsache, dass die Wirkung vieler Mikronährstoffe erst im Zusammenspiel mit anderen Nährstoffen zum Tragen kommt. Bei alltäglichen gesundheitlichen Problemen und Volkskrankheiten liegt selten nur ein einziger Mangel vor.
Häufig wird im Zusammenhang mit der Berichterstattung über negative Studien die Aussage gemacht, dass eine „übermässige“ Einnahme von Vitaminen schädlich sei. Was heisst „übermässig“? Dieser Begriff ist verallgemeinernd und unpräzis. Tatsache ist, dass der Mikronährstoffbedarf eines jeden Einzelnen sehr unterschiedlich ist. Dieser hängt ab vom Lebensstil und den aktuellen Lebensumständen, den Ernährungsgewohnheiten, dem Gesundheitszustand sowie der Medikamenten- Einnahme. Die präventive Einnahme von Mikronährstoff-Präparaten im Nahrungsergänzungsbereich ist in jedem Fall ungefährlich. Der Einsatz hochdosierter Einzelsubstanzen zu therapeutischen Zwecken braucht eine fachmännische Beratung, damit die individuellen Faktoren richtig gewichtet werden.
Therapeutisch dosiert wirkt ein Vitamin wie ein Arzneimittel und nicht mehr als „Vitamin“. Dabei ist stets – wie bei einem Arzneimittel – das Nutzen-Risiko-Verhältnis abzuschätzen. Dieses Verhältnis liegt bei Mikronährstoffen in aller Regel günstiger als bei körperfremden Arzneimitteln.
Dass Vitamine lebenswichtig sind und im Idealfall in Form von (unbelasteten) Nahrungsmitteln zugeführt werden sollten, ist nichts Neues. Auch ist es eine Tatsache, dass der unkontrollierte Konsum von Supplementen nicht sinnvoll ist. Burgerstein plädiert aus genau diesen Überlegungen für eine gute Basisversorgung mit möglichst natürlichen Mikronährstoffen, um Mängeln vorzubeugen und erst dann gezielt zu höher dosierten Einzelnährstoffen zu greifen, wenn eine Mangelsituation aufgrund von Symptomen oder Laborwerten offensichtlich geworden ist.
Die richtige Anwendung von Mikronährstoffen ist nicht immer einfach. Um den grösstmöglichen präventiven oder therapeutischen Nutzen zu erzielen, ist eine Beratung durch gut ausgebildete und am Thema interessierte Fachleute (Arzt, Apotheker, Drogist, Heilpraktiker) sehr wichtig. Wir empfehlen entsprechend die Produkte im Fachhandel zu kaufen.
Wir danken Ihnen für Ihre differenzierte Auseinandersetzung mit Pressemeldungen und das entgegengebrachte Vertrauen.

Günter Konrad Hugo Schurgast
Geschäftsführer Wissenschaftlicher Leiter

Mittwoch, 11. Januar 2012 - 07:50 Uhr
DIE GESTÄNDNISSE EINES YOGIS

Hallo Marco

Dein Blog über Eiweiss (Carving) ist sehr spannend.

Ich war gerade in einem Retreat mit meinen Advanced Yogis. Wie immer gibt es an solchen Orten kein Fleisch und natürlich praktisch kein Eiweiss.

Es gehört sich ja nicht, dass ein Yogi etwas Tierisches isst, man will ja kein "Neandertaler" mehr sein. Ich habe einen sehr grossen Bedarf an Eiweiss (Training, Aktivität etc.) und bin ein schneller Kohlenhydrate-Verwerter: Ca. eine Stunde nach dem Verzerr von Teigwaren renne ich schon wieder zum Kühlschrank. Im Retreat bin ich dann, getrieben vom Hunger, nur noch hinter "Schoggiriegeln" her, da es sonst ausser Bohnensalat, Blattsalat, Fenchel, Fencheltee, Blumenkohl... nichts gibt. Für mich jedenfalls sind diese Tage ohne Protein immer die grosse Herausforderung: Was um Gottes Willen soll ich denn bloss essen?

Viele Leute kommen wegen schlummernden Depressionen zum Yoga und dort wird ihnen dann erklärt, dass sie ab sofort kein Fleisch mehr essen sollten. Schadet ja dem Körper sehr. Danach stellen sie um auf Rohkost oder nur noch auf Kohlenhydrate. Die Folge ist Energiemangel, Depression, Burn-out (wie wir es auch immer nennen wollen) und Gewichtszunahme sowie permanente Lust auf Süsses.
In meiner Erfahrung (und die beinhaltet schon einige Jahre) habe ich noch nie einen Unterschied bemerkt, weder in Meditationen noch beim Yoga, ob ich jetzt nun Fleisch esse oder eben nicht. In meinen Klosteraufenthalten in Tibet und Indien haben die Mönche immer Fleisch gegessen. Nie hat mir dort jemand erklärt, dass Eiweisse nichts für Meditierende und Yogi's sind....
Das ist einfach ein Mythos, der aus der Luft gegriffen ist und jeglicher Erfahrung entbehrt. Ich versuche die Leute immer aufzumuntern, sie sollen nicht "glauben", sondern selbst "erfahren".

Liebe Grüsse

von Yogi Marcel Stöckli


Yoga-Center:
Hirschgässlein 44 | CH-4051 Basel
Bäumleingasse 14 | CH-4051 Basel

www.living-buddha.ch

Freitag, 6. Januar 2012 - 13:34 Uhr
CRAVING

Professor Florian Holsboer ist Direktor des Max-Planck-Institutes, Abteilung für Psychiatrie, in München. Bei Depressionen spricht er immer wieder von Stoffwechselkrankheiten. Warum?

In Lehrbüchern finden wir immer wieder „ Erhöhte Eiweissmengen, insbesondere der Aminosäure Tryptophan, korrelieren mit einer besseren Stimmung, verminderter Aggression und Ängstlichkeit und dadurch erhöhtem psychischem Wohlbefinden.“ Oder:
„Je mehr Tryptophan, desto mehr Serotonin und je mehr Serotonin, desto mehr Glücksgefühle.“
Serotonin schützt und hilft bei Depression, dies weiss die Pharmaindustrie längstens.

Aminosäuren resp. Eiweiss kann man essen und trinken. Oder auch nicht. Eine der Folgen davon? Siehe oben. Nicht ganz unwesentlich, denn jedes Jahr erleiden in Europa zwischen 30 und 35 Prozent der Menschen eine solche psychische Störung. Tendenz: zunehmend!

Tryptophan-Mangel ist aber nicht nur ein Grund für eine erhöhte Anfälligkeit oder Prädisposition (Vulnerabilität) für Depressionen, sondern auch (zusammen mit Chrommangel!!!) ein mitentscheidender Grund für grosse Lust auf (nächtliche) Kohlenhydrate. Craving nennen dies unsere amerikanischen Freunde.

Solche Dinge sind heute einfach messbar. Wissen die Psychiater, tun sie so gut wie nie. Und die Kassen fanden’s lange zu teuer und bezahlten lieber jahrelang Psychotherapien und Antidepressiva. Jetzt nicht mehr. Erfolg ist lernbar.

© Dr. med. Marco Caimi

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